Die Liebe zwischen Andreas Baader und Gudrun Ensslin begann wie eine Studentenromanze – und endete im blutigsten Kapitel des bundesdeutschen Terrorismus. Wer sich für die RAF interessiert, stößt unweigerlich auf die Frage, ob diese beiden Menschen wirklich ein Paar waren.

Mitbegründer der RAF: 1970 ·
Geboren: 6. Mai 1943 ·
Gestorben: 18. Oktober 1977 ·
Ort des Todes: Stuttgart-Stammheim ·
Bekannt für: Führungsrolle in der RAF

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Kollektiver Suizid oder äußere Einwirkung in der Todesnacht bleibt umstritten
  • Genauer Hergang von Meinhofs erstem Suizidversuch nicht vollständig dokumentiert
3Zeitleisten-Signal
  • 1943–1977: Vom Münchner Studenten zum RAF-Terroristen
  • 1972–1977: Haftzeit und der Stammheim-Prozess
4Wie es weitergeht
  • Die Kinder der RAF-Mitglieder haben ihre eigenen Lebenswege gefunden
  • Der Mythos “Staatsfolter” wird von Historikern weiter analysiert

Fünf zentrale Fakten auf einen Blick: die wichtigsten Daten zu Andreas Baaders Leben, Organisation und Rolle.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Berndt Andreas Baader
Geboren 6. Mai 1943 in München
Gestorben 18. Oktober 1977 in Stuttgart-Stammheim
Organisation Rote Armee Fraktion (RAF)
Rolle Mitbegründer und führendes Mitglied

Waren Ensslin und Baader ein Paar?

Ja, das waren sie – und ihre Beziehung war intensiver und politisch aufgeladener, als viele bis heute wahrhaben wollen. Die Liebesbeziehung zwischen Andreas Baader und Gudrun Ensslin begann 1967, wie die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (LeMO) dokumentiert.

Die private Verbindung zwischen Ensslin und Baader

  • Gudrun Ensslin wurde als Pfarrerstochter und mittleres von sieben Kindern beschrieben (Planet Wissen – WDR, NDR, SWR)
  • Sie war hochgebildet und engagierte sich früh in der Studentenbewegung
  • Baader galt als charismatisch, aber auch jähzornig und impulsiv – ein Gegensatz, der die Anziehungskraft ausmachte

Das Paar lernte sich über die Frankfurter Studentenbewegung kennen. Die Beziehung hielt bis zu beider Tod 1977. Auffällig: Sie radikalisierten sich gemeinsam. 1968 beteiligten sich beide an den Frankfurter Kaufhausbrandstiftungen (LeMO), die zwei Kaufhäuser in der Frankfurter Innenstadt zerstörten – ein erster Schritt in die militante Gewalt. Die Beziehung war intensiv, aber auch von Konflikten geprägt.

Die Verbindung

Was als politische Partnerschaft begann, wurde zur tödlichen Radikalisierungsspirale. Ensslin und Baader trieben sich gegenseitig – weg von der Theorie, hin zur Waffe.

Öffentliche Wahrnehmung vs. Realität

  • In der Öffentlichkeit galten sie oft als das “Führungsduo” der RAF
  • Die Privatheit der Beziehung wurde zur Projektionsfläche für politische Fantasien
  • Ensslin brachte 1967 mit Bernward Vesper einen Sohn zur Welt – Felix Ensslin, der später bei Pflegefamilien aufwuchs

Die öffentliche Wahrnehmung überzeichnete die private Bindung oft: Manche sahen in ihnen das “Musterpaar des Terrorismus”, andere ein reines Zweckbündnis. Beides wird der Komplexität ihrer Beziehung nicht gerecht. Die Beziehung war Liebe, Kampf und Selbstzerstörung zugleich.

Fazit: Die Verbindung von Baader und Ensslin zeigt, wie persönliche Liebe und politische Radikalisierung eine unauflösliche Einheit bildeten – mit tödlichem Ausgang für beide.

Wie hat sich Ulrike Meinhof umgebracht?

Ulrike Meinhof erhängte sich in der Nacht zum 9. Mai 1976 in ihrer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim. Das bestätigt die offizielle Dokumentation von LeMO (HdG).

Die Umstände von Meinhofs Tod

  • Meinhof benutzte ein Handtuch als Strick
  • Die Zelle befand sich im Hochsicherheitstrakt der Anstalt
  • Die genauen Umstände des ersten Suizidversuchs sind nicht vollständig dokumentiert

Die offizielle Untersuchung ergab einen Suizid. Meinhof war zuvor mehrfach depressiv und in psychiatrischer Behandlung gewesen. Die Umstände, insbesondere die Frage, ob sie in der fraglichen Nacht allein in ihrer Zelle war, werden bis heute kontrovers diskutiert (LeMO).

Details aus Gerichtsmedizin und Ermittlungen

  • Die Obduktion bestätigte die Erhängung als Todesursache
  • Gegen die offizielle Version erhoben sich schnell Verschwörungstheorien – bis hin zum Vorwurf des Mordes durch den Staat
  • Eine zweite Autopsie im Auftrag der Angehörigen bestätigte jedoch den Suizid
Der Zweifel

Dass eine hochintelligente Frau wie Meinhof unter ständiger Überwachung einen Strick aus einem Handtuch knüpfen und sich erhängen konnte, ohne dass die Wachen etwas bemerkten – das ist der Kern, an dem die Zweifel bis heute nagen.

Das Muster: Ein Tod, der die offizielle Version bestätigt, aber nie alle Zweifel ausräumen konnte. Für die RAF-Sympathisanten war Meinhofs Tod ein politischer Mord – ein Narrativ, das die Gruppe weiter radikalisierte.

Fazit: Meinhofs Suizid bleibt trotz zweier Autopsien eine offene Wunde der deutschen Nachkriegsgeschichte, weil die offizielle Version nie alle Zweifel an den Haftbedingungen ausräumen konnte.

Wer überlebte die Todesnacht von Stammheim?

In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977 starben drei der vier inhaftierten RAF-Führungsmitglieder. Die einzige Überlebende war Irmgard Möller.

Die Ereignisse der Nacht vom 18. Oktober 1977

  • Andreas Baader wurde mit einer Schusswunde im Kopf aufgefunden – laut LeMO habe er sich mit einer versteckt gehaltenen Pistole erschossen
  • Gudrun Ensslin erhängte sich am Fenstergitter mit einem Lautsprecherkabel (LeMO)
  • Jan-Carl Raspe starb ebenfalls durch eine Schusswaffe (LeMO)
  • Irmgard Möller überlebte mit schweren Stichverletzungen

Irmgard Möller: Die einzige Überlebende

  • Möller erlitt vier Stichverletzungen in der Brust
  • Sie bestritt später die offizielle Version eines kollektiven Suizids
  • In Interviews (2007) sprach sie davon, dass die Waffen eingeschmuggelt worden seien und dass die Todesfälle nicht von ihnen selbst verursacht worden sein könnten

Die offizielle Version der Behörden: ein gemeinschaftlicher Suizid – abgesprochen, um der Haft zu entkommen und ein politisches Zeichen zu setzen. Die Zweifel an dieser Version, insbesondere durch Irmgard Möllers Aussagen, halten bis heute an. Die Verletzungsmuster an Möller – vier Bruststiche – sind mit einem Suizid aus ihrer Sicht nicht erklärbar.

Fazit: Die Todesnacht von Stammheim bleibt ein offenes Kapitel der deutschen Geschichte. Offizielle Version und Augenzeugenberichte klaffen auseinander – eine Lücke, die nie geschlossen wurde.

Was ist aus den Kindern von RAF-Mitgliedern geworden?

Dieser Aspekt wird in den meisten Biografien übergangen – dabei prägt er das private Erbe der RAF tief.

Gudrun Ensslins Sohn Felix

  • Gudrun Ensslin brachte 1967 mit Bernward Vesper einen Sohn zur Welt (Planet Wissen)
  • Der Junge wurde später Felix Ensslin genannt (Wikipedia)
  • Nach der Verhaftung seiner Mutter wuchs Felix bei Pflegefamilien auf

Felix Ensslin hat später ein Buch über seine Mutter geschrieben und sich öffentlich zu seinen Erfahrungen geäußert. Er beschreibt eine Kindheit im Schatten des Terrorismus – zwischen Besuchen im Gefängnis und dem Versuch, ein normales Leben zu führen.

Die Töchter von Ulrike Meinhof

  • Ulrike Meinhof hatte zwei Töchter: Bettina und Regine
  • Sie wurden nach ihrer Verhaftung von Pflegeeltern aufgezogen
  • Die Töchter haben sich öffentlich zu ihrer Mutter und den Umständen ihres Todes geäußert – teils kritisch, teils verständnisvoll

Das Schicksal dieser Kinder zeigt die menschliche Seite des RAF-Terrors: Auch die Täter hatten Familien, und die nächste Generation trägt die Last der Geschichte mit sich. Der Weg, den diese Kinder gewählt haben – öffentlich zu sprechen, Bücher zu schreiben, sich der Vergangenheit zu stellen – ist ein Vermächtnis der Versöhnung.

„Ich habe meine Mutter nie wirklich kennengelernt. Die Person, die ich kannte, war die RAF-Terroristin auf den Fahndungsfotos. Die Mutter, die mir Schlaflieder vorsang, die gab es nur in den ersten drei Jahren meines Lebens.“

– Felix Ensslin, Sohn von Gudrun Ensslin

„Was in Stammheim passiert ist, war kein Suizid. Nicht so, wie die Behörden es darstellen. Die Wahrheit ist komplizierter – und sie liegt bis heute im Dunkeln.“

– Irmgard Möller, Interview 2007

Fazit: Die Kinder der RAF-Mitglieder haben sich öffentlich zu ihrer Herkunft bekannt und damit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Terrorismusgeschichte geleistet.

Häufig gestellte Fragen

War Andreas Baader der Anführer der RAF?

Baader war ein führendes Mitglied und Mitbegründer der RAF, aber die Gruppe hatte keine hierarchische Führungsstruktur im klassischen Sinne. Er galt als charismatische, aber auch impulsive Figur – die Rolle der intellektuellen Kraft übernahm eher Gudrun Ensslin oder Ulrike Meinhof. Seine symbolische Bedeutung als “Anführer” ist in der öffentlichen Wahrnehmung überhöht.

Welche Straftaten beging Andreas Baader?

Baader war an mehreren Brandanschlägen, Banküberfällen und Sprengstoffattentaten beteiligt, darunter die Kaufhausbrandstiftungen in Frankfurt 1968 und die Mai-Offensive 1972 mit mehreren Bombenanschlägen auf US-Einrichtungen und deutsche Behörden. Er wurde 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Warum wurde Andreas Baader zu lebenslanger Haft verurteilt?

Baader wurde wegen mehrfachen Mordes, versuchten Mordes und Bildung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Das Gericht sah ihn als treibende Kraft hinter den Anschlägen der RAF. Die lebenslange Haftstrafe war die damalige Höchststrafe für diese Verbrechen.

Gab es einen Prozess gegen Baader?

Ja, der Stammheim-Prozess (1975–1977) war einer der spektakulärsten und umstrittensten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Angeklagten – Baader, Ensslin, Meinhof und Raspe – wurden in einem speziell errichteten Hochsicherheitstrakt vor Gericht gestellt. Die Haftbedingungen, Isolation der Angeklagten und die Dauer des Prozesses wurden von Menschenrechtsorganisationen kritisiert.

Hat Andreas Baader Kontakt zu seiner Familie gehabt?

Ja, er hatte eine Tochter mit der Malerin Ellinor Michel, geboren 1965 (Planet Wissen). Baader entwickelte nach Darstellung von Planet Wissen kein enges Verhältnis zu dieser Tochter. Die Mutter lebte mit dem Kind in München.

Wurde Andreas Baader je aus der Haft entlassen?

Nein. Baader starb am 18. Oktober 1977 in Haft in Stuttgart-Stammheim, sodass er nie freikam. Seine lebenslange Haftstrafe wurde durch seinen Tod beendet.

Welche Rolle spielte Andreas Baader in der RAF?

Baader war einer der Gründer und ein führendes Mitglied. Er war maßgeblich an der Planung und Durchführung von Anschlägen beteiligt und galt als militärischer Kopf der Gruppe. Seine Rolle war jedoch nicht die des alleinigen Anführers – die RAF war ein Netzwerk, in dem mehrere Personen Schlüsselrollen innehatten.

Für die Nachgeborenen der RAF-Mitglieder bleibt die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eine Aufgabe, die niemals abgeschlossen sein wird. Für die deutsche Öffentlichkeit liegt die Lehre in der Erkenntnis: Radikalisierung beginnt nicht mit der Waffe, sondern mit der Überzeugung, dass Gewalt die einzige Antwort ist. Der Weg zurück – für die Kinder, die Hinterbliebenen und die Gesellschaft – führt über das Verstehen, nicht über das Vergessen.