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Beate Uhse: Biografie und Vermächtnis der Sexshop-Pionierin

Marvin Tobias Weber Fischer • 2026-07-13 • Gepruft von Sofia Wagner

Wer heute an Beate Uhse denkt, hat meist die roten Sexshop-Fassaden vor Augen. Doch die Frau hinter dem Imperium führte ein Leben voller Brüche: Sie war eine der wenigen deutschen Stuntpilotinnen der 1930er Jahre, flog im Zweiten Weltkrieg Transportflüge und gründete nach dem Krieg ein Unternehmen, das die sexuelle Aufklärung in Deutschland revolutionierte. Zwischen NS-Vergangenheit und sexueller Befreiung spannt sich ein Bogen, der bis heute nachwirkt.

Geboren: 25. Oktober 1919 ·
Gestorben: 16. Juli 2001 ·
Unternehmen gegründet: 1946 ·
Anzahl Ehen: 4 ·
Kinder: 2 Söhne ·
Insolvenz der Beate Uhse AG: 2019

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Der genaue Umfang ihrer Unterstützung des NS-Regimes bleibt umstritten – Quellen widersprechen sich.
  • Ob ihr erster Ehemann Hans-Jürgen Uhse die Namensrechte an der Firma hielt, ist nicht abschließend geklärt.
3Zeitleisten-Signal
  • 1946 Gründung – 1962 erster Sexshop – 2019 Insolvenz der AG – 2020 Verkauf an Orion
4Wie es weitergeht
  • Die Marke Beate Uhse existiert unter der Orion-Gruppe weiter, jedoch ohne stationäre Filialen in Deutschland.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Lebensstationen zusammen:

Merkmal Wert
Geburtsdatum 25. Oktober 1919
Sterbedatum 16. Juli 2001
Anzahl Ehen 4
Kinder 2 Söhne
Unternehmensgründung 1946
Insolvenz 2019
Bekannteste Leistung Pionierin der sexuellen Aufklärung

Was ist aus dem Unternehmen Beate Uhse geworden?

Das Unternehmen Beate Uhse AG meldete 2019 Insolvenz an – ein tiefer Fall für einen Konzern, der einst die sexuelle Aufklärung in Deutschland massgeblich geprägt hatte. Der Niedergang begann schleichend: Bereits 2017 war die Holding der AG zahlungsunfähig geworden, weil eine Umschuldung einer Anleihe über 30 Millionen Euro gescheitert war (Deutsche Welle). Die Insolvenz 2017 betraf zunächst nur die Holding, nicht die Tochtergesellschaften (Deutsche Welle). Doch die Rettung gelang nicht.

Die Paradoxie

Die Pionierin der sexuellen Aufklärung scheiterte ausgerechnet an der digitalen Revolution: Das Unternehmen konnte nach dem Siegeszug des Internets nicht mehr an die Erfolge der 1960er- und 1970er-Jahre anschließen (DER SPIEGEL).

Wem gehört Beate Uhse heute?

Nach der Insolvenz 2019 wurde die Marke Beate Uhse an die Orion-Gruppe verkauft, einen europäischen Erotikhandelskonzern. Der letzte inhabergeführte Store schloss 2020, das Stammhaus in Flensburg wurde aufgegeben. Die Marke lebt im Online-Handel weiter – allerdings ohne die einst rot leuchtenden Ladengeschäfte, die in deutschen Innenstädten jahrzehntelang ein vertrauter Anblick waren.

Warum gibt es Beate Uhse nicht mehr?

Die Ursachen sind vielschichtig. Der Online-Handel hatte den stationären Erotikfachhandel weitgehend verdrängt. Hinzu kamen strategische Fehler: Die Expansion in neue Märkte war nicht nachhaltig, und die Verschuldung wuchs. Im Juli 2019 meldeten die Restunternehmen des Konzerns erneut Insolvenz an – darunter die Muttergesellschaft be you GmbH sowie die Töchter Beate Uhse Einzelhandels GmbH, Versa Distanzhandel und Beate Uhse Fun Center (DER SPIEGEL).

Die Implikation: Ein Unternehmen, das einst Pionierarbeit leistete, wurde von der Disruption durch das Internet und veränderten Konsumgewohnheiten eingeholt. Die Marke überlebt zwar, aber als Schatten ihrer selbst – ein Online-Label ohne die einstige Strahlkraft.

War Beate Uhse Kampfpilotin?

Die kurze Antwort: Ja, aber die Bezeichnung „Kampfpilotin“ greift zu kurz. Beate Uhse begann in den 1930er Jahren eine Flugausbildung und wurde eine der wenigen deutschen Stuntpilotinnen – eine spektakuläre Karriere in einer männerdominierten Branche. Im Zweiten Weltkrieg flog sie als Transportfliegerin und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (NDR).

Ihre Rolle im Nationalsozialismus ist jedoch umstritten. Einige Quellen zeichnen das Bild einer unpolitisch motivierten Fliegerin, die einfach ihr Hobby ausübte. Andere verweisen auf ihre Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz und fragen nach einer tieferen Verstrickung. Der NDR beschreibt sie als „umstrittene Sexshop-Pionierin“ – ein Etikett, das die Ambivalenz ihrer Biografie auf den Punkt bringt (NDR).

Was zu beachten ist

Die Debatte um Beate Uhses NS-Vergangenheit ist kein Randthema: Sie zeigt, wie eine Unternehmerin, die später für sexuelle Befreiung stand, zugleich Teil eines Unrechtsregimes war – ein Widerspruch, den die Öffentlichkeit bis heute nicht vollständig aufgelöst hat.

Was dies bedeutet: Die Fliegerin Beate Uhse ist untrennbar mit der Pilotin des NS-Staates verbunden. Wer ihr Leben verstehen will, muss beide Seiten sehen – die Stuntpilotin, die Grenzen überwand, und die Transportfliegerin, die für ein verbrecherisches Regime arbeitete.

Wie oft war Beate Uhse verheiratet?

Beate Uhse war viermal verheiratet – ein facettenreiches Privatleben, das ebenso bewegt war wie ihre Karriere. Ihr erster Ehemann war Hans-Jürgen Uhse, den sie 1944 heiratete. Die Ehe hielt bis 1965 und brachte einen Sohn hervor. Ihr zweiter Ehemann war der Schweizer Unternehmer Werner Rotermund, mit dem sie einen weiteren Sohn hatte. Die Ehen endeten durch Tod oder Scheidung.

Die Ehemänner spielten auch eine Rolle im Unternehmen: Hans-Jürgen Uhse stand zeitweise im Hintergrund des Geschäfts, und Werner Rotermund brachte unternehmerische Erfahrung aus der Schweiz mit. Die genauen Besitzverhältnisse der Namensrechte sind jedoch nicht vollständig geklärt.

Der Punkt: Beate Uhse führte ein Privatleben, das von wechselnden Partnerschaften geprägt war – und dennoch gelang es ihr, ein Imperium aufzubauen, das sie selbst zur bekanntesten Unternehmerin der deutschen Nachkriegszeit machte.

Wie viele Kinder hatte Beate Uhse?

Beate Uhse hatte zwei Söhne. Der ältere Sohn stammt aus der Ehe mit Hans-Jürgen Uhse, der jüngere – Ulrich Rotermund – aus der Verbindung mit Werner Rotermund. Ulrich Rotermund lebt in Glücksburg (Schleswig-Holstein) und war in das Unternehmen involviert. Die Kinder führten das Geschäft zeitweise weiter, konnten den Niedergang aber nicht aufhalten.

Interessant ist, dass die Unternehmensnachfolge zwar in der Familie blieb, die Söhne jedoch nicht die unternehmerische Durchschlagskraft ihrer Mutter hatten. Die zweite Generation konnte den digitalen Wandel nicht aktiv gestalten – ein häufiges Muster in Familienunternehmen.

Die Konsequenz: Die Söhne erbten ein florierendes Geschäft, das unter ihrer Führung den Anschluss an die Moderne verlor. Der Name Beate Uhse blieb, aber das unternehmerische Genie der Gründerin fehlte.

Wo wohnt Beate Uhse?

Beate Uhse lebte in Glücksburg (Schleswig-Holstein) und in der Schweiz. Ihr Wohnhaus in Glücksburg, ein markantes Anwesen direkt an der Förde, stand 2024 zum Verkauf – ein letztes physisches Relikt ihres Lebens in Deutschland. Sie starb 2001 in St. Gallen in der Schweiz, wo sie sich zuletzt niedergelassen hatte.

Die Wahl der Schweiz als Wohnsitz im Alter ist bemerkenswert: Sie zog sich aus dem deutschen Rampenlicht zurück, während ihr Unternehmen in Deutschland weiterlief. Das Haus in Glücksburg blieb als Familiensitz erhalten, bis es 2024 auf den Markt kam – ein Symbol für das Ende einer Ära.

Was das bedeutet: Beate Uhse war zeitlebens eine Grenzgängerin – zwischen Deutschland und der Schweiz, zwischen Ostpreußen und Schleswig-Holstein, zwischen NS-Vergangenheit und sexueller Revolution. Ihr Wohnsitzwechsel in die Schweiz war der letzte Akt einer Frau, die sich immer wieder neu erfand.

Zeitleiste – Beate Uhse

  • 1919 – Geburt von Beate Uhse in Wargenau, Ostpreußen.
  • 1930er – Ausbildung zur Pilotin, Auftritte als Stuntpilotin.
  • 1944 – Heirat mit Hans-Jürgen Uhse.
  • 1946 – Gründung eines Versandhandels für Aufklärungsmittel (Berliner Zeitung).
  • 1962 – Eröffnung des ersten Sexshops in Flensburg (DER SPIEGEL).
  • 1999 – Börsengang der Beate Uhse AG (DER SPIEGEL).
  • 2001 – Tod von Beate Uhse in St. Gallen.
  • 2017 – Erste Insolvenz der Holding (SRF).
  • 2019 – Insolvenz der Beate Uhse AG (DER SPIEGEL).
  • 2020 – Verkauf der Marke an die Orion-Gruppe.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Geburts- und Sterbedatum von Beate Uhse sind dokumentiert.
  • Sie war viermal verheiratet und hatte zwei Söhne.
  • Sie war Pilotin im Zweiten Weltkrieg.
  • Sie gründete 1946 ein Unternehmen, das 1962 den ersten Sexshop der Welt eröffnete.
  • Die Beate Uhse AG meldete 2019 Insolvenz an.

Was unklar bleibt

  • Der genaue Umfang ihrer Unterstützung des NS-Regimes – Quellen widersprechen sich.
  • Ob ihr erster Ehemann Hans-Jürgen Uhse die Namensrechte an der Firma hielt, ist nicht abschließend geklärt.

Stimmen zu Beate Uhse

Beate Uhse gilt als erfolgreichste Unternehmerin der deutschen Nachkriegszeit, ist aber wegen ihrer Rolle in der NS-Zeit umstritten.

NDR

Beate Uhse ist Pilotin im Zweiten Weltkrieg und Unternehmerin in der Bundesrepublik Deutschland.

LeMO-Biografie, Haus der Geschichte

Für die deutsche Öffentlichkeit und die Nachwelt ist die Bilanz eindeutig: Beate Uhse hinterlässt ein ambivalentes Erbe. Wer die sexuelle Aufklärung in Deutschland feiert, muss sich auch der NS-Vergangenheit der Pionierin stellen – oder die Figur in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit akzeptieren. Die Alternative wäre, sie zu einer reinen Heldin zu stilisieren, was der historischen Komplexität nicht gerecht würde.

Häufig gestellte Fragen

Wem gehört die Marke Beate Uhse heute?

Die Marke Beate Uhse gehört heute der Orion-Gruppe, einem europäischen Erotikhandelskonzern, der sie nach der Insolvenz 2019 übernommen hat.

Warum gibt es keine Beate-Uhse-Filialen mehr?

Die letzten inhabergeführten Filialen schlossen 2020. Der Online-Handel hatte den stationären Erotikfachhandel verdrängt, und die Marke existiert heute nur noch digital.

Was verkaufte Beate Uhse ursprünglich?

Beate Uhse begann 1946 mit dem Versand von Aufklärungsbroschüren und Kondomen – ein Geschäft, das auf sexuelle Aufklärung und Familienplanung abzielte.

Wie hat Beate Uhse ihr Unternehmen gegründet?

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie einen Versandhandel für Aufklärungsmittel, der 1951 als Versandhaus Beate Uhse formalisiert wurde (Wikipedia).

Wo ist Beate Uhse begraben?

Beate Uhse starb 2001 in St. Gallen in der Schweiz. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof von St. Gallen.

Welche Auszeichnungen erhielt Beate Uhse?

Sie erhielt unter anderem das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um die sexuelle Aufklärung, aber auch das Eiserne Kreuz für ihre Einsätze im Zweiten Weltkrieg.

Fazit: Beate Uhse war eine Pionierin der sexuellen Aufklärung, deren Leben untrennbar mit der NS-Vergangenheit verbunden ist. Für die deutsche Öffentlichkeit zwingt dies zu einer differenzierten Bewertung: Die Figur muss in ihrer ganzen Ambivalenz akzeptiert werden, statt sie zur reinen Heldin zu stilisieren. Für Historiker bleibt die Quellenlage zur NS-Verstrickung lückenhaft – ein Auftrag für weitere Forschung.

Für die deutsche Erinnerungskultur steht die Entscheidung: Beate Uhse als Ganzes sehen – oder die Komplexität einer Frau ausblenden, die zwischen zwei Epochen stand. Die Leser stehen vor der Aufgabe, beide Seiten zu würdigen, ohne die Widersprüche zu glätten.

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